Pfarrer Franz Meurer - der Don Camillo aus Höhenberg / Vingst

Ein umfassender Bericht über sein umfangreiches Engagement in seiner Gemeinde

bsp resume 01Sigrid Alt vom Bürgerverein Porz-Mitte e.V. (BVPM) begrüßte zur Bürgersprechstunde den Pfarrer Franz Meurer, der sich lieber unter die Besucher mischte, als „brav“ am Tisch zu sitzen und zu referieren. Dies war schon symptomatisch für seine Persönlichkeit. Er ist seit 25 Jahren Pfarrer in Höhenberg und Vingst.

Er hat einige Bücher geschrieben, die er mitbrachte und den Gästen kostenlos zur Verfügung stellte, z. B. „Der Rheinische Kapitalismus“. Er soll kein Witz sein, sondern es soll ihn tatsächlich geben: zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sei sehr wohl noch Platz für Solidarität und sozialer Verantwortung.

Pfarrer Meurer hielt sich an die Zeile eines Gedichts der deutschen Schriftstellerin Hilde Domin, die 2006 verstorben ist: „Wir essen das Brot, aber wir leben vom Glanz.“ „Wenn die Lichter angeh’n vor dem Gold der Altäre, dann zerlaufen die Herzen der Kinder und beginnen zu leuchten. Die Kinder wollen eine Tür, aber sie ist zu schwer für Kinderhände, so dass das Wunder dahinter nicht angefasst werden kann.“

Pfarrer Meurer sprach Mobbing an, das nicht nur durch die Kinder untereinander, sondern auch durch Erwachsene geschieht. Verwahrlosung ist eines seiner großen Probleme in der Gemeinde. Die Frage „wie viele Wege gibt es zu Gott?“ beantwortet er mit „so viele, wie es Menschen gibt“. Wir gehören zusammen, nur das „WIR“ gewinnt.

Er lobte die Bürgervereine, die mit ihrem ehrenamtlichen Engagement viel Gutes tun und auch Freundschaften pflegen. Gute Beziehungen halten uns glücklicher und gesünder. Aus der Studie kann man drei Lehren ziehen: Soziale Kontakte sind sehr wichtig für uns, Einsamkeit bringt uns um. Es hat sich herausgestellt, dass Menschen, die engere soziale Kontakte zu Familie, Freunden und der Gesellschaft haben, glücklicher und physisch gesünder sind und länger leben. 34 % der Menschen, die in guten nachbarschaftlichen Beziehungen stehen, leben auch gesünder. Was hält unsere Gesellschaft zusammen? In Vereinen kann das Klima durchaus 2° wärmer sein.

Weiterhin beschrieb er, dass ein Leben mit Hartz IV übersetzt werden muss mit „ich habe keine Freunde mehr“. Das gesellschaftliche Leben ist gleich 0, gerade auch für Kinder. 42,5 % aller Kinder leben hier in Deutschland in Armut, 28 % der Haushalte sind verschuldet und kommen nie mehr aus der Schuldenfalle. Jeden Sonntag nach der Messe gibt es Essen für alle, die wollen. "Für ömesönst", erklärt Franz Meurer. So ist das auch bei Gemeindefesten. „Sobald etwas Geld kostet, schließt man die Armen aus". Und in der katholischen Gemeinde St. Theodor und St. Elisabeth in den Kölner Stadtteilen Höhenberg und Vingst ist das ein großer Teil. Die Eltern sind oft nicht in der Lage, den Obolus zum Mittagessen in den Schulen und anderen Einrichtungen zu zahlen. Die Bildung ist rückläufig und deshalb muss die Lösung heißen: Essen vor Bezahlung. „Barmherzigkeit ist nur etwas für Individuen“, sagte er, „Politik könne nicht barmherzig sein.“ Bei Ausbildungsplätzen für Förderschüler liege die Quote unter 1 %.

Die Kirche habe das gleiche Problem wie die Politik, denn die Menschen spüren keine Resonanz durch sie. Sie hat nach seinem Dafürhalten leider keine Gerichtsbarkeit. Die Hierarche in der Kirche ist völlig krank: Für Nichtstun bekommt man viel Geld, provoziert er. Es müsste viel mehr „Kümmerer“ geben statt „Verwalter“. Aber wie kann man dem sozialen Frieden näher sein? Das Subsidiaritätsprinzip muss angewandt werden. Aufgaben sollen möglichst von der kleinsten Einheit übernommen werden, z. B. Hilfe zur Selbsthilfe. Er verwies auf etliche Bücher, z. B. „Gesellschaft der Angst“, Abstiegsangst, Optimierungswahn und Kommunikationsterror“ (Soziologe Heinz Bude).

Pfarrer Meurer philosophierte, dass wir nicht mehr das 3-Schichten-Prinzip wie Unter-, Mittel- und Oberschicht haben. Er zitierte den Schriftsteller und Kultursoziologen Andreas Reckwitz, nachdem wir eine „Gesellschaft der Singularitäten“ mit einer neuen akademisierten Mittelschicht sind. Die neue Gesellschaft orientiert sich nur noch am „Singulären“: an singulären Objekten und Waren, an singulären Orten, Zeitpunkten und Subjekten. Bereiche wie Tourismus, Sport, Digitalisierung passen dazu mit allen paradoxen Folgen, wie die Abwertung des Allgemeinen und der Gleichheit.

Dennoch gibt es einen wachsenden Wunsch des Menschen nach Heimat. Diesen beschreibt sehr gut der autobiografisch-politische Bestseller von Didier Eribon: „ Rückkehr nach Reims“.

Er empfahl uns weitere Buchtitel, wie von Michael Sandel über die Gerechtigkeit: „Die Frage der sozialen Ungleichheit ist eine der großen menschlichen und politischen Herausforderungen unserer Zeit. Diese Ungleichheit erzeugt einen immensen Druck auf die Gesellschaft. Leider reagieren die Politiker nicht, um die Ursachen dieser Entwicklung zu bekämpfen“ und Bücher der Politikwissenschaftlerin und Nobelpreisträgerin Elinor Ostrum. Sie prägte die Ressourcen-Ökonomie und lehrt uns, dass bei Ressourcenknappheit uns nur der Sachverstand der Menschen vor Ort hilft.

Da der BVPM sich vor allem bei finanziellen Nöten der Kinder in der Verantwortung fühlt, überreichten wir Pfarrer Meurer eine Spende von € 200 für seine Schäfchen.

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